Aktuelles

28. August bis 1. September 2022 – Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow

Was? Du kommst aus Deutschland oder der Ukraine und interessierst dich für die Migrationsgeschichte der deutschen Minderheit aus der Ukraine. Vor dem Hintergrund des aktuellen Krieges möchtest du dich an einem historischen Beispiel mit den Auswirkungen von Zwangsmigration auf Menschen in dieser Region beschäftigen. Außerdem schreibst du gern, hast Spaß daran, Videos zu produzieren und deine Geschichten über Social-Media-Netzwerke zu teilen. Dann nimm teil an der Medien- und Autorenwerkstatt, die sich mit Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Wolhyniendeutschen aus der Ukraine seit Beginn des Zweiten Weltkriegs beschäftigt.

Wer? 10 Personen im Alter von 18 und 35 Jahren mit Interesse an Medien und deutsch-ukrainischer Geschichte

Wann? 28.08.–1.09.2022

Wo? Wolhynier Umsiedlermuseum (Hofstr. 5 | 18292 Linstow) mit Übernachtung im Jugendschloss Neu Sammit (Neu Sammit 2 | 18292 Krakow am See)

Kosten? Die Teilnahmegebühr für den Workshop beträgt 30 Euro pro Person. Für Geflüchtete aus der Ukraine ist die Teilnahme kostenfrei. Im Preis enthalten sind Unterkunft und Verpflegung. Reisekosten werden bis maximal 120 Euro pro Person erstattet.

Wie? Während der Medien- und Autorenwerkstatt erarbeiten die TeilnehmerInnen unter Anleitung von erfahrenen Journalistinnen in Kleingruppen verschiedene Text- und Video-Formate zum Thema Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Wolhyniendeutschen. Dazu besuchen sie das Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow, führen Interviews mit Zeitzeugen und lernen mit Hilfe von Experten die besondere Fluchtgeschichte der Wolhyniendeutschen kennen, von denen sich 37 Familien nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Linstow angesiedelt hatten. Die in den Workshops erarbeiteten Beiträge werden am Ende im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert und online zur Verfügung gestellt.

Bewerbung: Möchtest du dabei sein? Dann schick uns deine Bewerbung als ein PDF-Dokument bis spätestens 24.07.2022 an: irina.peter@btoheart-communications.de

Deine Bewerbung sollte ein Motivationsschreiben (max. 1 DIN A4 Seite), einen tabellarischen Lebenslauf sowie deine Kontaktdaten enthalten. Im Motivationsschreiben solltest du darlegen, warum dich das Thema des Workshops interessiert. Die Workshops werden auf Deutsch und / oder Englisch gehalten. TeilnehmerInnen aus der Ukraine sollten Deutschkenntnisse mindestens auf dem Niveau B1 vorweisen können.

Die Entscheidung über die Platzvergabe erfolgt bis spätestens 31.07.2022. Anreise und Abreise nach Krakow am See muss von den TeilnehmerInnen selbst organisiert werden. Wir unterstützen jedoch mit einem Auto-Transfer ab Güstrow.

Veranstalter: Die Medien- und Autorenwerkstatt „Deutsche Geschichte in Wolhynien“ wird veranstaltet vom Wolhynier Umsiedlermuseum Linstow mit Unterstützung des Kulturreferats für Russlanddeutsche in Detmold.


„Du bist willkommen“ – unter diesem Motto stand der Kindernachmittag in der Bildungs- und Museumsscheune in Linstow am Freitag, den 13. Mai 2022. Elf deutsche und ukrainische Kinder, eine Großmutter und ehrenamtliche Helferinnen waren gekommen, miteinander eine Geschichte zu hören, zu basteln, zu spielen, zu essen und zu singen. Auf einer kleinen Bühne wurde die Geschichte von der Segnung der Kinder durch Jesus dargestellt – Gemeindepädagogin Tanja Krüger ließ die mitgebrachten Playmobilfiguren lebendig werden und erzählen. Jeder Satz brachte eine neue Überraschung und wurde direkt ins Russische übersetzt.

Bei Getränken und Keksen wurden Erlebnisse ausgetauscht – die Kinder kennen sich fast alle schon aus der Schule – und dann wurde der „Deutschkurs in der Streichholzschachtel“ gebastelt, den Flüchtlingspastorin Anja Fischer vom Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock mitgebracht hatte. Bei schönstem Sonnenschein und Outdoor-Spielen klang der Nachmittag im Garten des Wolhynier Umsiedlermuseums aus.

Der Kindernachmittag ist Teil eines Willkommensprojektes mit Integrations- und Unterstützungsangeboten für Geflüchtete aus der Ukraine in der Gemeinde Linstow und Umgebung. Das Projekt wird vom Flüchtlingsfonds der Ökumenischen Arbeitsstelle Mecklenburg finanziert und vom Heimatverein Linstow in Kooperation mit der Kirchengemeinde Krakow am See umgesetzt.


Bisher wurden in unserer Region noch keine Deutsch- und Integrationskurse für Geflüchtete aus der Ukraine angeboten. Deshalb hat der Heimatverein Linstow in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Krakow am See kurzfristig einen Sprachkurs organisiert.

Unter der Leitung von Vera Schwarz aus Hohen-Wangelin können aktuell 15 Erwachsene Grundkenntnisse der deutschen Sprache erwerben, damit sie sich im Alltag beim Einkaufen, beim Arzt oder mit den deutschen Nachbarn besser verständigen können.

Schon beim ersten Treffen zeigte sich, dass die Kursteilnehmer, in der überwiegenden Mehrzahl Frauen, schnell Deutsch lernen möchten. Wie beim Erlernen jeder Sprache ist aller Anfang schwer, besonders wenn statt der vertrauten kyrillischen zunächst die lateinischen Buchstaben erlernt werden müssen.

Das Projekt wird gefördert durch Mittel des Fonds für die Arbeit mit Flüchtlingen im Kirchenkreis Mecklenburg.


15.04.2022

Für die Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Linstow und Serrahn Zuflucht gefunden haben, hat der Heimatverein Linstow am 13. April 2022 einen Familiennachmittag auf dem Museumsgelände veranstaltet.

Im Namen der Gemeinde hat Bürgermeister Wilfried Baldermann die Geflüchteten herzlich begrüßt und seine tiefe Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. Auch seine Familie musste sich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs auf die Flucht begeben und daher weiß er nur zu gut, was es bedeutet, die Heimat verlassen zu müssen. Die Gemeinde werde alles Erforderliche unternehmen, um die Geflüchteten in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Ein wichtiges Thema ist hier die Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum.

Johannes Herbst hat auf die besondere Beziehung der Museumsarbeit zum Krieg in der Ukraine hingewiesen. Er erinnerte an die Verfolgung der Deutschen in Ostwolhynien während des stalinistischen Terrors in den 30er Jahren und die Flucht der Wolhyniendeutschen zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor der Roten Armee.

Flüchtlingspastorin Anja Fischer hat unter den staunenden Augen der Kinder die Ostergeschichte mit Playmobilfiguren erzählt und szenisch nachgespielt. Im Anschluss daran hat sie eine bewegende Osterandacht mit einem Friedensgebet für die Ukraine gehalten. Ernst Reimann hat auf dem Akkordeon das Wolhynierlied gespielt. Die Melodie war unseren ukrainischen Freunden wohl vertraut, sie wird dort aber zum Text des ukrainischen Liedes „Wolyn moja“ gesungen.

Während die Kinder beim Stelzenlaufen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellten, haben die Erwachsenen mit Kuchen und Bratwürsten den Nachmittag in geselliger Runde ausklingen lassen.


Am Sonntag, den 15.05.2022 um 15:00 Uhr lädt der Heimatverein Linstow zur Eröffnung der Ausstellung „Geflüchtet, vertrieben, entwurzelt: Kindheiten in Mecklenburg 1945 bis 1952“ ein. Die Ausstellung der Stiftung Mecklenburg und der Landeszentrale für politische Bildung MV zeigt, wie Kinder Krieg, Flucht und Ankunft in fremder Umgebung erlebt und durchlitten haben.

Dr. Berndt Seite liest im Anschluss daran aus seinem neuesten Buch „Der Wagen“. Der Ministerpräsident a. D. musste als Fünfjähriger mit seiner Familie aus Niederschlesien fliehen. In zwei Erzählungen verarbeitete er seine Fluchterfahrungen, die von Hunger, Tod und Gewalt bestimmt waren.

Die Veranstaltung am internationalen Museumstag bildet traditionell den Auftakt für unsere verlängerten Öffnungszeiten während der Sommersaison. Bis Mitte September ist das Museum nicht nur am Mittwoch von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr, sondern auch am Samstag und am Sonntag von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr für unsere Gäste geöffnet. 

Für das leibliche Wohl wird gesorgt. Der Eintritt ist frei. Wir bitten stattdessen um Spenden für die ukrainischen Flüchtlinge und hoffen auf rege Teilnahme.


Mit großer Bestürzung und Sorge verfolgt der Heimatverein Linstow den Krieg des russischen Präsidenten gegen die Ukraine. Erneut ist, wie so oft in der Geschichte, auch die historische Region Wolhynien von Tod und sinnloser Zerstörung betroffen. Während die Männer einen ungleichen Kampf gegen die anrückenden russischen und belarussischen Truppen führen, fliehen vor allem Frauen mit ihren Kindern in die westlich angrenzenden Staaten, wie Polen oder die Slowakei.

Unser Kooperationspartner, der Behindertenverband in Waren (Müritz), der seit vielen Jahren mit Behindertenverbänden in der Ukraine zusammenarbeitet, bittet um Spenden für die Behindertenhilfe in der Ukraine. Gerade die Schwächsten leiden am meisten unter den kriegerischen Handlungen.

Da die Lieferung von Sachspenden aufgrund der unübersichtlichen militärischen Lage momentan zu unsicher ist, bittet die Vorsitzende, Frau Rossek, um Geldspenden, die dann per Zahlungsdienstleister den örtlichen Behindertenverbänden direkt zugutekommen.

Kontoinhaber  Behindertenverband Müritz e.V.
Institut   Müritz-Sparkasse Waren
IBAN DE67 1505 0100 0700 1007 41
BIC NOLADE21WRN
  

Menschen mit einer besonderen Verbundenheit zur historischen Region Wolhynien können das Geld auch zielgenau für Einrichtungen in einzelne Oblaste, wie Wolyn, Riwne oder Schytomyr spenden. Neben dem allgemeinen Verwendungszweck „Spende Ukraine“ ist dann die jeweilige Oblast hinzuzufügen, z.B. „Spende Ukraine - Oblast Wolyn“.


Mit großer Bestürzung und Sorge verfolgt der Heimatverein Linstow den Krieg des russischen Präsidenten gegen die Ukraine. Erneut ist, wie so oft in der Geschichte, auch die historische Region Wolhynien von Tod und sinnloser Zerstörung betroffen.

Die Bedrohung, die sich seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 angedeutet hatte und doch von vielen bis zuletzt geleugnet wurde, ist nun grausame Realität. Während die Männer einen ungleichen Kampf gegen die anrückenden russischen Truppen führen, fliehen vor allem Frauen mit ihren Kindern Richtung Westen in die angrenzenden Staaten, wie Polen oder Ungarn.

Als Solidaritätsbekundung mit den Freundinnen und Freunden in der Ukraine haben Mitglieder des Heimatvereins die ukrainische Flagge mit Trauerflor versehen und auf Halbmast gehisst. Sie bringen damit ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass trotz der momentan ausweglosen Situation bald wieder Frieden in der Ukraine herrscht und sich das Land demokratisch und frei von äußerer Einmischung entwickeln kann.


Der Zugang zum Wolhynier Umsiedlermuseum war bisher nur über insgesamt drei Stufen möglich. Für Nutzer von Rollatoren oder Rollstühlen stellte dies ein fast unüberwindbares Hindernis dar. Da aufgrund des demografischen Wandels immer mehr Menschen mit Gehbehinderungen ins Museum kommen, bestand schon lange der Wunsch, einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Dank einer Förderung durch das Programm „1Barriereweniger“ der Aktion Mensch konnte dies nun realisiert werden. Die Pflasterarbeiten hat Holger Cichon aus Bellin ausgeführt. Den Erfolg der baulichen Umgestaltung hat direkt nach der Fertigstellung eine Besuchergruppe des Behindertenverbandes Müritz aus Waren geprüft und für gut befunden.

Anlass für den Besuch der Gruppe im Museum, an dem auch Bürgermeister Wilfried Baldermann teilgenommen hat, war der langjährige Kontakt des Behindertenverbandes zu einem Behindertenverband aus der westukrainischen Stadt Horochiw. Dort haben bis 1939 neben Ukrainern, Polen und Juden auch Wolhyniendeutsche gewohnt, die schließlich zu Kriegsende nach Deutschland geflüchtet sind.

Die Vorsitzende des Behindertenverbandes, Hanni Rossek, hat dem Bürgermeister von Horochiw bei ihrem letzten Besuch in der Ukraine von unserem Museum berichtet. Er war sehr interessiert an unserer Erinnerungsarbeit zum Schicksal der Wolhyniendeutschen und bat Frau Rossek, dem Heimatverein Gastgeschenke, darunter einen handgestickten Tischläufer, zu überreichen.

Im nächsten Jahr ist dann der Gegenbesuch der ukrainischen Partner in Mecklenburg geplant. Johannes Herbst und Michael Thoß sprachen eine Einladung an die ukrainischen Gäste zur Besichtigung des Museums aus und freuen sich auf die neuen Kontakte in die historische Region Wolhynien. Die ukrainischen Partner werden bei ihrem Gegenbesuch von einem sechsköpfigen Kosakenchor begleitet. Sofort ist die Idee entstanden, dass der Chor auch in der Bildungsscheune auftreten soll. Geplantes Datum für den Auftritt ist der 4. Mai 2022.


29.11.2021

Dank der großzügigen Unterstützung der OSPA-Stiftung konnte das Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow neue Möbel für Besucherinnen und Besucher anschaffen.

Auf dem Museumsgelände fehlten Gartenmöbel, die witterungsbedingt unbrauchbar geworden sind und entsorgt werden mussten. Die Schüler der Produktionsschule des CJD Nord in Waren haben zusammen mit ihrem Anleiter Ferdinand Schwarz fünf Sitzbänke, drei Müllkörbe und drei Blumenkästen gebaut. Um eine längere Haltbarkeit zu gewährleisten, wurde Eichenholz gewählt.
Aufgrund der Corona-Pandemie und der steigenden Holzpreise hatte sich die Auslieferung immer wieder verzögert. Am Dienstag, den 27.10.2021 war es dann endlich soweit und die letzten Gartenmöbel wurden von den stolzen Handwerkern angeliefert.
Bereits im letzten Jahr konnten dank dieser Förderung leichte Klapphocker angeschafft werden, um Besucherinnen und Besuchern mit Gehbehinderungen den Museumsbesuch angenehmer zu gestalten. Nun können sie bei Führungen oder beim Lesen der Ausstellungstafeln ohne ermüdendes Stehen mehr über die spannenden Geschichten rund um das Schicksal der Wolyhniendeutschen erfahren.
Ein besonderer Dank gilt der Filiale der Ostseesparkasse in Krakow am See, die die Förderung erst möglich gemacht hat.


Der Holzzaun rund um das Wolhynier Umsiedlermuseum war nach fast 30 Jahren baufällig und musste dringend erneuert werden. Zaunpfähle und Zaunelemente waren durch Wind und Wetter morsch und teilweise bereits umgefallen. Groß war die Sorge der Vereinsmitglieder, dass im nächsten Jahr das 30. Museumsfest gleichsam auf einer Baustelle stattfinden muss. Nachdem bereits im letzten Jahr ein Teilstück hinter der Museumsscheune ersetzt worden war, fehlten nun noch ca. 240 Meter Zaun. Dank des großen Einsatzes von Gemeinderat und Amt Krakow am See konnten die fehlenden Finanzmittel über das LEADER-Programm eingeworben werden.

Zunächst haben dankenswerterweise Mitglieder des Angelvereins Linstow die alten Zaunelemente abgebaut und entsorgt. Die eigentlichen Arbeiten führte dann das Montageteam Krüger aus Lübsee aus. Das verwendete Material und die fachgerechte Ausführung der Arbeiten lassen die berechtigte Hoffnung zu, dass der Zaun lange Zeit seinen Dienst tun wird. So war die Abnahme durch Bürgermeister Baldermann und Frau Kapust vom Bau- und Ordnungsamt reine Formsache.

Der Vorstand des Heimatvereins bedankt sich im Namen aller Mitglieder ganz herzlich bei allen Beteiligten, allen voran Bürgermeister Baldermann, dass die Zaunerneuerung rechtzeitig vor dem nächsten Museumsfest realisiert werden konnte.


11.11.2021

Nach langer Coronapause freuten sich alle auf die zweitägige Kurzreise Ende September 2021 auf die Insel Rügen und nach Greifswald.

In Schaprode begrüßte uns Pastor Holz und lud uns in seine Kirche ein. Er hat Erfahrungsberichte von Flüchtlingen und Vertriebenen des zweiten Weltkrieges gesammelt, die auf der Insel ankamen.

Viele empfanden die Insel als „Mausefalle". Sie fühlten sich eingesperrt und zogen dann weiter in andere Teile Deutschlands, wie Sachsen, Thüringen oder Bayern. Manche blieben auf der Insel und wurden durch Heirat mit Einheimischen sesshaft. Dennoch haben die Menschen lange Zeit die Hoffnung nicht aufgegeben, wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehren zu können. Alle berichten vom schweren Neuanfang und davon, dass sie nicht willkommen waren. Den Unterschied zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen spürt man heute noch. Von den Einheimischen abgelehnt und verachtet, suchten sie trotzdem einen Neuanfang. Anschließend ging es weiter nach Prora. Alle kennen Prora als Erholungsort, der von Hitlerdeutschland für die Arbeiter erbaut werden sollte (Kraft durch Freude). Die Meisten denken, dass sich in Prora schon Menschen erholt haben. Aber Prora wurde nie fertig gestellt. Hitlerdeutschland ging schlicht und einfach das Geld aus. Es wurde für kriegswichtige Dinge gebraucht.

Am nächsten Tag besuchten wir das Pommersche Landesmuseum in Greifswald. Ein sehr beeindruckendes, neues Gebäude. Das Wort „Pommern" kommt aus dem Slawischen und bedeutet „am Meer“. Die Führung war außerordentlich interessant. Verschiedene Exponate zeichnen ein vielgestaltiges Bild der Entwicklung Pommerns seit den ersten Jägern und Sammlern. Mit einer außergewöhnlich spannenden Fundgeschichte glänzt der 2 kg schwere Goldring aus den Wirren der Völkerwanderung. Einen beeindruckenden Höhepunkt bildet der einzigartige 30 m² große Croy-Teppich, ein Zeugnis der hohen Kultur am Hofe der Greifen, des pommerschen Herrschergeschlechtes. „Pommernland

ist abgebrannt" – der Dreißigjährige Krieg wütete fürchterlich. Danach regierten die Schweden. In der Preußenzeit wurden die Fischerdörfer zu mondänen Badeorten. Das 20. Jahrhundert mit seinen Kriegen und Systembrüchen und dem gewaltigen Bevölkerungsaustausch bedeutete für die Region die vielleicht größte Zäsur in der Geschichte.

Am Nachmittag des zweiten Tages war noch ein Stadtrundgang durch Greifswald vorgesehen. Hier wurde den Teilnehmern der Bildungsreise viel von der Universität erzählt, die im Mittelalter gegründet wurde. Bis heute ist die Universität Greifswald eine der führenden Universitäten Europas. Greifswald war im Mittelalter eine reiche Hansestadt. Das repräsentiert der Marktplatz. Die Greifswalder trieben Handel vom Ostseeraum bis nach Amerika. Das meiste Geld allerdings wurde mit dem Hering, dem Brotfisch verdient. Es gab so viel Hering, dass man die gesamte Bevölkerung Pommerns dauerhaft damit ernähren konnte.

Alle Reisenden bedanken sich bei den Ideengebern, den Organisatoren und der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur als Sponsorin dieser Bildungsreise. Wichtig ist, dass sich Menschen informieren und miteinander ins Gespräch kommen.

Brigitte Slottke


02.11.2021

Am 30.10.2021 hat der uns nahestehende Verein der Bugholendry seine diesjährige Mitgliederversammlung im Umsiedlermuseum in Linstow durchgeführt.

Die Mehrzahl der Mitglieder kommt aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Einige von ihnen sind auch in unserem Verein vertreten und so war ihnen unsere Einrichtung nicht völlig unbekannt.

Mit leckeren Speisen wurden sie von unseren Vereinsmitgliedern Rosi Voigt und Nicole Durschak versorgt, die am Schluss der Versammlung mit großem Beifall bedacht wurden. Besonders geehrt wurde ein Gründungsmitglied aus Schwerin, Eduard Bütow, der alters- und krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, aber am nächsten Tag von einer kleinen Delegation besucht wurde.

Die Bugholendry sind eine evangelisch-lutherische Siedlergruppe aus dem holländisch-niederdeutschen Raum, die im 17. Jahrhundert im Raum Brest am Grenzfluss Bug an der heutigen polnisch-belarussischen Grenze gesiedelt haben. Sie verstanden sich auf die Trockenlegung von Sümpfen und Mooren, lebten von Ackerbau und Viehzucht, bauten Gemüse und Kräuter an und züchteten Enten und Gänse.

Durch die mehrfache Teilung Polens im 18. Jahrhundert kamen sie zum russischen Zarenreich und lebten, wie auch die Wolhyniendeutschen, in friedlicher Nachbarschaft mit Polen, Russen, Ukrainern und Juden. Durch das starke Bevölkerungswachstum bekamen die Bugholendry bald die Bodenknappheit zu spüren. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Agrarreform in Russland, angeregt durch den damaligen Premierminister Stolypin, in Kraft trat, sind einige Familien nach Sibirien in den heutigen Forstbezirk Pichtinsk im Gouvernement Irkutsk gezogen. Dort gründeten sie drei Siedlungen, die bis heute - trotz aller politischen Umwälzungen - bestehen und bauten auch ein kleines Museum zur Dokumentation ihrer Siedlungsgeschichte auf. Typische Familiennamen der Siedler sind Ludwig, Hünenburg und Hildebrandt.

Da sich das ursprüngliche Siedungsgebiet der Bugholendry im Grenzgebiet von Polen, Weißrussland und der Ukraine befindet, ist die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort nicht gerade einfach. Trotzdem ist der kleine Verein bemüht, die Kontakte - auch nach Sibirien - nicht nur zu erhalten, sondern im Sinne der Völkerverständigung auszubauen. Dafür wünschen wir gutes Gelingen und viel Kraft bei der weiteren Arbeit gemeinsam mit uns.


Am Samstag, den 04.09.2021, eröffneten die Mitglieder des Heimatvereins mit dem Wolhynierlied das 29. Museumsfest in Linstow. Der Vorsitzende, Johannes Herbst, ehrte zum Auftakt seine langjährige Stellvertreterin Erika Werner. Im Namen des Vorstands ernannte er sie in Anerkennung ihrer jahrzehntelangen Verdienste um den Aufbau und Erhalt des Umsiedlermuseums zur Ehrenvorsitzenden.

Es folgten dann die Grußworte der Ehrengäste. Den Anfang machte der diesjährige Schirmherr des Museumsfests, Landesinnenminister Torsten Renz. Der Minister hat durch seine wolhynischen Familienwurzeln eine besondere Verbundenheit zum Linstower Museum und berichtete, dass seine Vorfahren zweimal vertrieben wurden, das erste Mal infolge des Ersten Weltkriegs von Wolhynien ins Baltikum bzw. nach Ostpreußen und von dort 1945 nach Mecklenburg. Die Themen Flucht und Vertreibung seien heutzutage aktueller denn je und er sagte dieser einzigartigen Bildungs- und Gedenkstätte seine weitere Unterstützung zu. Aufgrund der langjährigen Freundschaft zum Heimatverein Linstow ernannte Johannes Herbst den Innenminister zum Ehrenmitglied.

Anschließend folgte das Grußwort des Bürgermeisters der Gemeinde Dobbin-Linstow, Wilfried Baldermann, der auf die tatkräftige Unterstützung der Gemeinde beim Erhalt des Museumsgeländes hinwies. Die Beauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler des Landes Hessen, Margarete Ziegler-Raschdorf, erinnerte mit Blick auf die ausschließlich projektgebundene Förderung des Museums an die Pflicht, die Bund und Ländern aus § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) auferlegt ist, um das Kulturgut der Vertreibungsgebiete dauerhaft zu wahren.

Auch der Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Thomas Konhäuser, bekundete in seinem Grußwort, dass für das Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow Wege gefunden werden müssen, um zukünftig seinen Betrieb auf eine dauerhafte finanzielle Grundlage zu stellen. Für das kommende Jahr plant die Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit dem Museumsleiter Michael Thoß eine internationale Fachtagung zur spannungsreichen Geschichte der Wolhyniendeutschen, die mit der Umsiedlung in den „Warthegau“ im Zweiten Weltkrieg als Spielball der rassistischen Großraumpolitik der Nationalsozialisten missbraucht wurden und in den letzten Kriegsmonaten unter dramatischen und chaotischen Umständen flüchten mussten.

Der Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Dr. Martin Sprungala,würdigte in seinem Grußwort die herausragende Arbeit des Heimatvereins Linstow und dankte Vorstand und Vereinsmitgliedern für das enorme ehrenamtliche Engagement. Stellvertretend für alle Vereinsmitglieder zeichnete er den Vorsitzenden, Johannes Herbst, mit der Silbernen Ehrennadel der Landsmannschaft aus. Zum Abschluss stellte sich der politische Nachfolger von Eckhardt Rehberg vor. Dr. Stephan Bunge betonte, dass er zwar erst zum zweiten Mal im Museum ist, aber das Museum unterstützen wird, soweit es in seiner Macht steht.

Beim folgenden geselligen Teil, bei Kaffee und Kuchen, konnten sich die Besucherinnen und Besucher austauschen und alte Kontakte wieder auffrischen. Die sich anschließenden Vorführungen, wie das Gespräch über den Gartenzaun mit einem wolhynischen Sprach-Quiz, die Tanzgruppe der Ballettschule Rostock, die Tombola, die verschiedenen Musik- und Gesangseinlagen und der traditionelle Dreschflegelwettbewerb wurden vom Publikum mit viel Beifall quittiert. Nach dem Abendessen mit wolhynischen Gerichten spielte als besonderer Höhepunkt das Landespolizeiorchester mit bekannten Melodien auf und regte so manches Paar zum Tanzen an.


Der Sonntag begann mit dem traditionellen „Heimatgottesdienst“. Pastor Behre erinnerte an die sorgenvolle Frage: „Wie geht es weiter?“ Diese Frage hat Generationen von wolhynischen Familien auf ihrer langen Wanderschaft mit mehrmaliger Zwangsumsiedlung und Flucht begleitet. Und diese Frage bewegt gerade jetzt die Menschen in Afghanistan und anderen Krisenregionen unserer Welt und sie wird uns alle angesichts der Klimakrise noch lange nicht loslassen. Die biblische – topaktuelle – Antwort hieß: „Tröstet die Kleinmütigen! Tragt die Schwachen!“ (1. Brief an die Thessalonicher 5,14)

Mit diesem Zuspruch ging es daraufhin zum „Garten des Gedenkens“. Nach der Verlesung eines Zeitzeugenberichts von Klaus Giese folgte das Totengedenken durch Pastor Oliver Behre und Pastorin Anja Fischer sowie die Kranzniederlegung durch unsere Justizministerin Katy Hoffmeister und die hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Frau Margarete Ziegler-Raschdorf.

Anschließend geschah etwas ganz Besonderes: Zwei Apfelbäumchen mit einer einzigartigen Geschichte wurden nach ihrer langen Reise durch Zeit und Raum rechts und links des Mahnmals für die Opfer von Flucht und Vertreibung in die Erde gepflanzt - mit der Erinnerung an den Satz, den die Legende Martin Luther zuschreibt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Dieser Satz, so die Worte von Pastorin Fischer, steht für tiefes Gottvertrauen und zugleich für die trotzige Zuversicht: Die Welt mag untergehen, aber wir glauben an eine Zukunft. Wo Zerstörung und unfassbares Leid herrscht, da hören wir nicht auf, zu hoffen, zu glauben und dafür zu arbeiten, dass etwas Neues wachsen kann. Gerade jetzt, wo das Weltklima auf dem Spiel steht und wo es so viel Elend auf der Welt gibt – da sagen diese Bäumchen: Das Leben geht weiter, es gibt einen neuen Anfang. Einen Baum pflanzen bedeutet, über den eigenen Horizont, über die eigene Begrenztheit hinaus zu hoffen.

Diese Apfelbäumchen kommen aus einer Zeit, in der eine ganze Welt, eine einzigartige Kultur des friedlichen Zusammenlebens, zerstört wurde. Nachdem die Deutschen weggezogen waren im Winter 1940, da sollte fortan nichts mehr an sie und an das kleine wolhynische Dorf Marinkow erinnern.

Deutsche, ukrainische, jüdische und polnische Familien hatten dort lange friedlich miteinander gelebt, inmitten blühender Obstbäume, reich tragender Felder und regem Austausch zwischen den kulturellen und religiösen Eigenheiten sowie den verschiedenen Sprachen innerhalb der Dorfgemeinschaft. Mehrere alte Zeitzeuginnen hatten dies bei unseren Besuchen vor Ort eindrucksvoll bezeugt und damit bestätigt, was wir schon von unseren deutschen Zeuginnen und Zeitzeugen gehört hatten: „Bei uns war Europa“ – so hatte es einer von ihnen zusammengefasst.

Nach dem Wegzug der Deutschen wurde alles zerstört, alle Häuser, Gärten und Felder, alle Bäume und auch die Brunnen wurden dem Erdboden gleichgemacht. Auch die verbliebenen Einheimischen wurden vertrieben und im Nachbardorf angesiedelt. Wie durch ein Wunder ist jedoch ein Apfelbaum stehen geblieben. Gut getarnt, nämlich versteckt am Waldrand, wurde er damals übersehen und vergessen. Und so wuchs und blühte er weiter und brachte seine Früchte, und die Menschen aus dem Nachbardorf Beresk kommen bis heute jedes Jahr im Herbst dorthin, um seine Früchte zu ernten – die übrigens sehr gut schmecken sollen.

Im vergangenen Winter haben die einheimischen Freundinnen und Freunde aus Beresk und Luzk für uns die Reiser geschnitten, und, mitten in der Corona-Krise, mit mehreren zeitlichen Verzögerungen, mit einem enormen logistischen und organisatorischen Aufwand über mehrere Stationen und Kuriere zu uns nach Deutschland geschickt. In einer regionalen Baumschule wurden sie, inzwischen fast verdorrt, auf frische Unterlagen aufgepfropft und zu neuem Leben erweckt – als Zeichen der Verbundenheit, der gemeinsamen Erinnerung und der Hoffnung auf eine gute Zukunft für alle Menschen diesseits und jenseits unserer Grenzen.

Einige weitere derart veredelte Apfelbäumchen wurden noch unter den Besuchern und Besucherinnen versteigert, und nach einem – wie immer – reichhaltigen Mittagessen mit Schmalzbroten, Borschtsch und Piroggen endete das 29. Museumsfest mit dem christlichen Reisesegen.


Das 29. Museumsfest wurde am 03.09.2021 traditionell mit einem Vortragsabend eröffnet. Der Vorsitzende des Linstower Heimatvereins, Johannes Herbst, konnte weit über 50 Gäste zur Auftaktveranstaltung begrüßen, die die Vorträge der Referenten mit großer Spannung und Aufmerksamkeit verfolgten.

Zunächst stellte Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, die Arbeit dieser überregional agierenden Einrichtung vor. Neben der Erhaltung des Kulturgutes und der Traditionen aus den Vertreibungsgebieten ist die Erinnerung an die Heimat ein besonderes Anliegen. Die Stiftung betreut Forschungen zur Zeitgeschichte, unterstützt die Kulturarbeit von Einrichtungen der Vertriebenen, berät die Betreiber von ostdeutschen Heimatsammlungen und kooperiert mit den deutschen Minderheiten in Osteuropa. Besonders betont wurde dabei die Brückenbaufunktion der Stiftung zwischen den Ländern, Kulturen und Menschen, damit sich die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit nicht wiederholen.

In besonderer Weise würdigte Herr Konhäuser die langjährige Arbeit des Linstower Heimatvereins beim Aufbau, Unterhalt und der Entwicklung des Wolhynier Umsiedlermuseums. Das Museum sei in der Bundesrepublik Deutschland einzigartig. Daher sei es von größter Bedeutung, dass die öffentliche Hand ausreichende Finanzmittel bereitstellt, um den Erhalt des Museums zu sichern.

Weiter ging es per Livestream mit zwei überaus interessanten Vorträgen zur wechselvollen Geschichte der Wolhyniendeutschen von Prof. Jan Musekamp von der Universität Pittsburgh (USA) und Adrian Kissmann vom Goethe-Institut in Porto Alegre (Brasilien). Prof. Musekamp referierte schwerpunktmäßig zu den bisher nur wenig beachteten Wanderungsbewegungen der Wolhyniendeutschen in der relativ kurzen Zeit zwischen den 1880er Jahren und dem Ersten Weltkrieg. Aufgrund des starken Nationalismus im zaristischen Russland verschlechterten sich zunehmend die Lebensbedingungen der deutschen Siedler. Aus wirtschaftlicher und sozialer Not suchten sie neue Siedlungsgebiete und so hat es sie an unterschiedlichste Orte der Welt von Sibirien über das Baltikum bis nach Nord- und Südamerika verschlagen.

Oft war es eine beschwerliche Reise ins Ungewisse. Viele hatten in der neuen Heimat nach schwierigem Anfang Erfolg, nicht Wenige scheiterten. Einige kehrten auch wieder nach Wolhynien in die damalige Heimat zurück. Der Referent vermittelte ein lebendiges Bild über die schwierige Situation von Auswanderern in der damaligen Zeit und zeigte erstaunliche Ähnlichkeiten zu den aktuellen Migrationsbewegungen.

Abschließend berichtete Adrian Kissmann eindrucksvoll am Beispiel seiner Familie über die Einwanderung von Wolhyniendeutschen nach Brasilien und ihre Sesshaftwerdung in dem neuen fremden Land mit ungewohnten klimatischen Bedingungen. Die persönliche Geschichte, angefangen mit dem zugereisten Urgroßvater, gewürzt mit Daten, Fakten und Anekdoten, regte unweigerlich zum Einfühlen und Nachdenken an.

Dieser Abend war für unseren Heimatverein durch die multimediale Inszenierung, die Live-Zuschaltung aus den USA und Brasilien, ein neuer Höhepunkt. Für die umfangreiche Vorbereitung und störungsfreie Durchführung danken wir unserem Museumsleiter Michael Thoß in besonderer Weise.