Umsiedlerhof mit Scheune und Backofen

Mit der Rekonstruktion des zum Abriss stehenden Bauernhauses zu einem Freilandmuseum begann die Gemeinde 1990. Das Museum wurde am 6. August 1993 eröffnet. Es gewährt einen Einblick in die Geschichte und die Arbeits- und Lebenswelt der Wolhynien- deutschen bei ihrem Neubeginn in Linstow. Gleichzeitig ist die Ausstellung eine Dokumentation der Nachkriegszeit. Träger des Museums ist der Heimatverein in Linstow.

Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurden viele Siedler Wolhyniens gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie wurden zunächst auf polnischen Höfen im Warthegau in der Provinz Posen - im heutigen Polen - angesiedelt, mußten aber ihre Höfe angesichts der heranrückenden russischen Front vielfach über Nacht verlassen und die Flucht in Richtung Westen antreten.

Für 73 Familien war Linstow in Mecklenburg die Endstation. Im Rahmen der Bodenreform 1945 erhielt jede Familie dort ca. 10 ha Land zum Siedeln. Wie ihre Vorfahren errichteten sie ihre Holzhäuser in traditioneller Bauweise aus Holz und Lehm.

Das erforderliche Baumaterial holten sie sich aus den umliegenden Wäldern. Aus Baumstämmen sägten sie Bohlen und Bretter und in Verbindung mit Lehm fertigten sie daraus ihre Holzhäuser auf die gleiche Art und Weise, wie die Menschen in ihrer Heimat es über Jahrhunderte praktiziert hatten. Viele technische Hilfsmittel standen nicht zur Verfügung und so war gutes Augenmaß gefragt. Das Dach wurde mit Stroh und Schilf gedeckt. Von der Konzeption her war ein Bauernhaus so angelegt, daß es Raum für Mensch, Vieh und Ernte bot. Die Aufteilung des Hauses bestand in einer großen Küche, einer Wohnstube und einem Schlafraum für alle Personen. Die Magd besaß ein kleines Zimmer für sich. Daran anschließend folgte der Stall mit zwei Pferden, zwei Schweinen und einem kleinen Kaninchenverschlag. Auf dem großen Boden lagerten die Erntevorräte.

Der Wohnteil des Hauses war vom Inventar her sehr einfach und zweckmäßig eingerichtet, das Zimmer für die Magd nur mit dem Allernötigsten. Es war die Zeit nach dem 2.Weltkrieg und die Menschen lebten bescheiden und ohne Ansprüche.

Gebaut wurde das Haus 1947 von Emma Altmann (aus Neu-Saturzy) und ihren ältesten Söhnen. Es wurden noch viele weitere Häuser nach diesem Vorbild gebaut.

Zeitzeugen, ehemalige Wolhyniendeutsche, haben durch den Wiederaufbau des Bauernhauses mitgeholfen, die Geschichte des Umsiedlerhofes und seiner Bewohner zu dokumentieren. Haushalts- und Arbeitsgeräte und das Mobiliar wurden durch sie zusammengetragen und ausgewählt, um dem Besucher eine möglichst originalgetreue Ausstattung des Museums zeigen zu können. Die Anlage wird noch ergänzt durch einen Backofen, der, wie das Bauernhaus, in traditioneller Bauweise aus Ziegelsteinen und Lehm aufgebaut wurde. 30 Brote finden in diesem Ofen Platz. Der Teig wird nach wolhynischen Rezept hergestellt. Die Backzeit beträgt 2 Stunden.


Weiterlesen über die auf dem Gelände neu errichtete Bildungs- und Museumsscheune und die Einweihungsfeier im Mai 2005.

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