Reise nach Strasburg vom 24.03. bis 26.03.2014

Unmittelbar nach Ankunft in unserem Hotel in Kehl ging es gleich über den Rhein und die Europabrücke ins gegenüberliegende Straßburg. Ein Abendspaziergang in der Altstadt vermittelte uns erste Eindrücke von der weltoffenen doch gemütlich wirkenden Europastadt.
Beeindruckend war das im nächtlichen Scheinwerferlicht erstrahlende Liebfrauenmünster mit seinem 144 m hohen Turm, der schon Goethe beim Treppensteigen in jungen Jahren Ehrfurcht lehrte.
Durch eine lange Fußgängerzone hindurch erreichten wir unser heimeliges Abendlokal, wo uns neben für die Region typischen Flammkuchen einheimische Gerichte und guter Hauswein mundeten. Dort empfingen wir auch Werner Kuhn, der uns auf unseren eigentlichen Besuchstag im Parlament am folgenden Morgen einstimmte. Dazu muss man sagen, dass wir schon während der langen Anfahrt aus dem Norden von Ingo Freund, einem Mitarbeiter unseres Gastgebers, freundlich und kompetent begleitet worden sind. Mit Hilfe eines Quizzes hat er uns spielerisch Europa und die europäische Idee nahe gebracht. Äußerst interessant und unterhaltsam lernten wir eine Fülle an Details über die Europäische Union, seine politische Organe wie das Parlament, die Kommission und den Rat, sowie über die 28 Mitgliedsstaaten und 24 Amtssprachen. Wir diskutierten heiß und zuweilen kontrovers und füllten Wissenslücken. In Aussicht gestellte Preise hatten den Ehrgeiz vieler Teilnehmer zusätzlich beflügelt.
Am nächsten Tag standen wir denn auch staunend vor der Haupthalle des Parlamentsgebäudes im Straßburger Europaviertel am Zusammenfluss von Ill und Rhein-Marne-Kanal. Es ist definitiv weit mehr als ein Zweckbau. Seine Architektur ist an politischen Symbolen orientiert, sie spiegelt die Grundidee des europäischen Einigungsprojektes und die Rolle der europäischen Volksvertretung wieder. Eine riesige bogenförmige Glasfassade umfasst die weithin sichtbare Kuppel des Plenarsaals und soll die Transparenz des Parlaments gegenüber uns europäischen Bürgern symbolisieren. Die etwa 700 Europaabgeordneten kommen hier zwölf Mal im Jahr zu Plenarsitzungen zusammen; weitere Arbeitsorte sind Brüssel und Luxemburg, jeweils vier und zwei Stunden entfernt. Nach einer Informationsführung zur Arbeit der Parlamentarier hatten wir Gelegenheit im Plenum auf den Besucherrängen eine Aussprache zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik (vor allem Beschäftigung und Soziales) zu verfolgen sowie nach Ende der Debatte der Abstimmung zu verschiedenen Erklärungen beizuwohnen. Der exakt geplante Ablauf (1-2 Minuten Redezeit pro anwesenden Abgeordneten), die hochkonzentrierten Anforderungen (Handzeichen und elektronischen Vorgänge) sowie die rasante Geschwindigkeit der Abstimmungen hatten wohl jeden aus unserer Besuchergruppe beeindruckt.
Während der Sitzung hat uns Werner Kuhn ausführlichen Einblick in seine ganz persönliche Arbeit in Brüssel und Straßburg gegeben. Er allein präsentiert Mecklenburg-Vorpommern und ist als CDU-Mann in der Fraktion der Konservativen (EVP) des Parlaments organisiert. Konkret erläuterte er uns seine Tätigkeit in einzelnen Arbeitsausschüssen, speziell jenen für Fischerei sowie Verkehr und Tourismus. Auswirkungen europäischer Initiativen auf unser Bundesland diskutierten wir angeregt miteinander und über die Generationen hinweg. Draußen vor dem Parlament demonstrierte derweil die Europäische Bahngewerkschaft gegen Fehlentwicklungen im Transportsektor – hautnah bekamen wir einen Eindruck davon was es heißt, drinnen bei der politischen Arbeit sorgfältig abzuwägen und faire Kompromisse zur Sicherung einer wirtschaftlichen Entwicklung in Europa zu finden. Nach so viel „Europa“-Erlebnis führte uns am Nachmittag Francois Muller durch die Stadt, die heute Hauptstadt der Versöhnung des Kontinents nach den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts ist. Straßburg mit seinen 270.000 Einwohnern ist augenscheinlich ein selbstbewusstes Handels-, Wirtschafts- und Bildungszentrum in der Rheinebene. Sie zeigt sich vielfältig und hat von Entwicklung und Veränderung profitiert. Prachtvolles Fachwerk steht neben klassizistischen Palästen, viel Jugendstil aus der kurzen deutschen Epoche hat sich erhalten.Imposant gestaltete sich unser Gang durchs Straßburger Münster mit seinen Altären, Rosetten, Glasfenstern und der einzigartigen astronomischen Uhr mit Apostelprozession. Den Abschluss unseres Rundganges bildete das bunte Fachwerkidyll im Ausgehviertel „Petit France“, Klein-Frankreich, im Delta der III-Kanäle. Für den elsässischen Käse und Feinkost blieb leider nur im Vorbeigehen Zeit, da eine Weinverkostung all unsere letzten Sinne in Anspruch nahm. Beim geselligen Abendessen hatten wir abschließend Gelegenheit, uns noch einmal mit Werner Kuhn auszutauschen und ihm persönlich für die Einladung an die Zentrale seiner vielen Wirkungsstätten zu bedanken. Für seine Arbeit in den Ausschüssen wünschten wir ihm alles Gute; Ende Mai tritt er erneut als Kandidat der CDU für Mecklenburg in Europa an. Dieser Ausflug nach Straßburg ins Europäische Parlament hat uns unsere und die mecklenburgische Perspektive auf Europa und das Bewusstsein für das europäische Miteinander geschärft. Dankbar über die gesammelten Eindrücke und das vermehrte Wissen sowie die Gelegenheit zur Reflektion fuhren wir heim.

Gerd Pflüger (Heimatverein Linstow)