Das 28. Museumsfest in Linstow

Trotz Corona-Pandemie und den vielen damit verbundenen Unwägbarkeiten konnte am Sonntag, den 06.09.2020 pünktlich um 10 Uhr das 28. Museumsfest auf dem Gelände des Wolhynier-Umsiedlermuseums beginnen. In seiner Begrüßungsrede erinnerte Johannes Herbst an die Gründungszeit des Museums. Vor nunmehr 30 Jahren entstand die Idee das erste, im Jahr 1947, von Wolhyniendeutschen in Linstow erbaute Haus vor dem Abriss zu retten und dort eine Gedenk- und Erinnerungsstätte zu Flucht und Vertreibung einzurichten.

Anfangs war es nicht mehr als eine Heimatstube mit Backofen und Unterstand für landwirtschaftliche Geräte. Im Laufe der Jahre entwickelte es sich dank breiter politischer Unterstützung – allen voran Torsten Renz und Eckhardt Rehberg, beide CDU – zu einem Bildungs- und Kulturzentrum für Migrationsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit der Errichtung der Bildungs- und Museumsscheune werden zusätzlich zum Museumsbetrieb auch vielfältige sozio-kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.

Ein besonderer Dank wurde der Gemeinde Dobbin-Linstow und Bürgermeister Wilfried Baldermann ausgesprochen, die sich seit vielen Jahren für den Ausbau und den Erhalt des Museumsgeländes einsetzen. Mit ihrer Unterstützung konnten in diesem Jahr die Dächer des Museums und der Scheune erneuert und Teile der Umzäunung ersetzt werden. Ebenso wurde den Vereinsmitgliedern für die Arbeitseinsätze zur Instandhaltung des Geländes gedankt.

Der anschließende Gottesdienst wurde vom Sprengelbischof Tilman Jeremias, der Flüchtlingspastorin für Mecklenburg, Anja Fischer, und Pastor Oliver Behre aus Thüringen gehalten und stand ganz im Zeichen von Flucht und Vertreibung. Die Fürbitten wurden von zwei Zeitzeugen der Zwangsumsiedlungen gesprochen, Johann Sonnenberg, in Wolhynien geboren und Gertrud Horn, im sogenannten Warthegau geboren. Ihre Fürbitten galten auch einer demokratischen Lösung in Weißrussland und dem friedlichen Miteinander zwischen der Ukraine und Russland. Neben den genannten Personen konnten wir den Dezernenten des Landkreises Rostock, Romuald Bittl, den CDU-Landtagsabgeordneten Torsten Renz und den Vorsitzenden des Vereins Partnerschaft zur Ukraine e.V. mit Sitz in Zwickau, Karl Ernst Müller, begrüßen sowie mehr als 90 Gäste, Interessierte, Freunde und Sponsoren, die den Worten der Pastoren und Laien aufmerksam folgten.

Nach einer kurzen Pause haben Pastorin Anja Fischer und Pastor Oliver Behre eine kleine Andacht im Garten des Gedenkens für die Opfer von Flucht und Vertreibung gehalten. Hilde Jöllenbeck und Ernst Reimann haben dann zu den Klängen der wolhynischen Melodie „Wolyn Moja“ einen Kranz am Gedenkstein niedergelegt. Die festliche Stimmung während des Gottesdienstes und der Kranzniederlegung war besonders auch dem Duo Emma Fischer (Querflöte) und Stefan Fischer (Geige) zu verdanken.

Das Mittagsmahl mit wolhynischem Borschtsch, Piroggen, Zwiebelschmalz, frischem Brot aus dem Steinofen und anderen Leckereien bereiteten die ausgezeichneten Köchinnen des Heimatvereins zu. Danach wurde Rosemarie Voigt unter großen Beifall für ihren langjährigen Einsatz im Heimatverein mit dankenden Worten durch den Vorsitzenden, Johannes Herbst, geehrt und ausgezeichnet.

In der Mittagspause wurde der Sprengelbischof dann in einer Führung auf eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Wolhyniendeutschen mitgenommen. Er zeigte sich von den Ausstellungen in beiden Häusern sehr beeindruckt, da sie eindrücklich die Herausforderungen zeigen, die mit Migrationsbewegungen verbunden sind. Dann kamen die Ehrengäste zu Wort. Romuald Bittl bezeugte Stolz und Freude des Landkreises über diese bundesweit einmalige Einrichtung sowie ihre Brückenfunktion zu den umliegenden Landkreisen. Karl-Ernst Müller aus Sachsen war sichtlich beeindruckt von der Anlage des Museums und versprach in regem Kontakt zu bleiben. Zwischendurch wurden Kaffee und Kuchen gereicht, denn auch zuhören macht hungrig.

Den kulturellen Teil eröffneten wie in jedem Jahr Tänzerinnen der Ballettschule Rostock, deren Lehrerin eine Nachfahrin wolhynischer Großeltern ist. Den Abschluss bildet der traditionelle Dreschflegelwettbewerb, wo Jung und Alt ihre Fertigkeiten im Umgang mit dem Flegel unter Beweis stellen konnten. Die Jury wurde angeführt von Ernst Reimann, einem der ältesten in Linstow lebenden Wolhynier. Prämiert wurden die Besten mit Preisen, die vom Van der Valk Resort gesponsert worden sind. Unter den Klängen der Wolhynischen Melodie, vorgetragen von Ernst Reimann mit dem Akkordeon, ging das 28.Museumsfest am späten Nachmittag zu Ende.

Vielen herzlichen Dank allen fleißigen Helfern, die zur Vorbereitung und Durchführung des Festes unter besonderen Bedingungen beigetragen haben.

Johannes Herbst und Michael Thoß, Heimatverein Linstow e.V.

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