Das 27. Museumsfest vom 06. bis 08.09.2019
ist nun auch wieder Geschichte

Freitag, 06.09.2019 - Ausstellungseröffnung

Unter dem Motto „30 Jahre nach der Diktatur der Proletariats - Erinnerungen“ fand am Freitag, dem 06.09.2019 eine Ausstellung über 40 Jahre DDR ihre Eröffnung. Viele Mitglieder haben wichtige Zeitzeugnisse wie Schulbücher, das „Spiel des Jahres“ aus den 80er Jahren, Bilder vom Besuch der Bundeskanzler Willy Brandt 1970 in Erfurt (bei dem auch eines unserer Mitglieder dabei war) und Helmut Schmidt, bei dem kein Mitglied unseres Vereins teilnehmen durfte. Abgesehen davon, dass der Verein erst nach der Wende gegründet werden konnte, durften dort nur Stasimitarbeiter auftreten. Bundeskanzler Helmut Schmidt hat sich gewundert, dass auf dem Weihnachtsmarkt in Güstrow fast keine Frauen und keine Kinder zu sehen waren. Auch der Arbeiteraufstand 1953, der Mauerbau 1961 und die Grenzöffnung in Ungarn im August 1989 sind dokumentiert, natürlich einige Originalplakate aus dem Herbst 1989, ein original Westpaket als volkswirtschaftliche Größe und selbstverständlich die Eroberung des ehemaligen Honeckerobjektes in Drewitz, welche vom ehemaligen Pastor Havemann aus Krakow am See mit organisiert wurde und an der auch einige Mitglieder unseres Vereins teilgenommen haben. Ein Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ einer christlichen Oppositionsgruppe im Anfang der 80er Jahre, originale Mauerbruchstücke mit Beweisfoto und vieles mehr ist zu sehen.
Die Ausstellung kann jeden Mittwoch von 14.00 bis 16.30 Uhr angeschaut werden.
Ca. 60 Besucher, unter ihnen der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung M/V in Schwerin, Herr Jochen Schmidt, lauschten der Diskussionsrunde, die zwei Moderatoren mit fünf „DDR-erfahrenen“ Bürgern über diese Zeit führten. Eine Frau im original Ost-Küchenkittel las aus ihrem Tagebuch die Gedanken vom 4.Oktober 1989 vor, welche uns alle damals bewegten. Ein Polizist, eine Kindergärtnerin, eine Verkaufsstellenleiterin und ein Wolhynier vervollständigten die Gesprächsrunde, die dann später offen geführt wurde und eine rege Beteiligung erfuhr.
Man muss wissen wo man herkommt, sonst weiß man nicht wo man hin will.
Gäste aus Schweden, aus Kiel, aus Süddeutschland wurden mit einbezogen, musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Musikern der Musikhochschule Darmstadt. Ganz herzlichen Dank dafür sowie für die rege Beteiligung.

Samstag, 07.09.2019 - Museumsfest auf dem Museumshof

Pünktlich um 14.00 Uhr begann die Ansprache des Vereinsvorsitzenden, er machte als erstes auf das gestrige Gespräch und die Ausstellung zur DDR Geschichte auf dem Lande aufmerksam und bedankte sich noch mal für die rege Teilnahme.
Das heutige Thema war der Kriegsbeginn am 1.9.1939, also vor 80 Jahren, und der damit zusammenhängenden Umsiedlung von ca. 65 000 Wolhyniendeutschen „Heim ins Reich“, in die Provinz Posen, dem sogenannten Warthegau. Stalin, der mit Hitler am 23.8. einen Nichtangriffspakt beschloss überfällt am 17.9. die zweite Republik Polen vom Osten her. Das Zusatzprotokoll im Oktober 39 zwischen Ribbentrop und Molotow unterzeichnet, sah die Umsiedlung der Deutschen aus der sowjetischen Interessensphäre im Dezember 39 und Januar 1940 vor.
In kilometerlangen Wagentrecks fuhren die Landwirte und Handwerker mit Ihren Söhnen Richtung Westen. Frauen und Kleinkinder durften mit der Reichsbahn in Übergangslager im sächsischen Raum (Pirna und Limbach - Oberfrohna sind nachweislich genannt) fahren und wurden später dort in die neuen Höfe der Polen, die von der SS freigeräumt wurden, abgeholt. Die polnischen Familien „durften“ dann als Mägde und Knechte auf den dann deutschen Höfen arbeiten, sollten aber keinen weiteren Kontakt zur Besatzungsmacht haben, das wurde von der SS kontrolliert.
Dies ist nur ein Teil der wolhynischen Geschichte deutscher Siedler, sie darf sich nicht wiederholen!!!!
„Wehret den Anfängen“
Nach den Grußworten des Bürgermeisters, Herrn Baldermann, des ersten Dezernenten des Landkreises, Herrn Romuald Bittl, des Pastors aus dem Hilfskomitee für die Deutschen in Polen Herrn Oliver Behre und unserem CDU Landtagsabgeordneten, Herrn Torsten Renz, die durchweg die Unterstützung des Vereins zusagten, ging es weiter mit Blasmusik der Schwenziner Kapelle, anschließend ein Quiz über die DDR Geschichte, durchgeführt und vorbereitet von Andre' Sonnenberg mit wertvollen Buchpreisen über die deutsche Geschichte, es folgten Musik und Tanz unserer Darmstädter Musikerinnen und Rostocker Tanzmädchen. Selbstverständlich durfte auch das Gespräch am Gartenzaun nicht fehlen, auf einmal war Ruhe im Zelt. Emil, alias Ernst Reimann und Hilde Jöllenbeck, alias Tilde, sprachen in wolhynischer Mundart die Probleme der Zeit, des Dorfes und der letzten Ukrainereise an, angefangen von Tierzucht bis zum neuen Bürgermeister der wohl der alte geblieben ist, ob er wohl so gut war oder sich kein neuer gefunden hat...?
Der Wolhynische Text stammt wie immer von Brigitte Schönfelder, herzlichen Dank.
Zwischendurch konnte sich jeder am Stand des Naturparks „NSH“ über laufende Projekte informieren. Danach gab es eine Tombola mit schönen Preisen des Van der Valk Resorts Linstow, dem EDEKA Markt Bohnhorst in Krakow am See, der Nachsorgeeinrichtung in Linstow und vieler weiterer Spender. Vielen Dank dafür. Bevor um 18.30 Uhr ein Bildvortrag der letzten Ukrainereise, vorgetragen von Frau Anja Fischer, der Flüchtlingspastorin in M/V startete, konnte sich jeder noch mal richtig sattessen. Lecker Borschtsch, Piroggen, Schwein am Spieß und manch anderes war im Angebot. Danach wurde noch bis 22.00 Uhr musiziert und manche Gespräche geführt.
Herzlichen Dank an alle Helfer, die auch dieses Fest zu einem Höhepunkt nicht nur des Vereinslebens werden ließen. Wir hoffen auch hiermit ein wenig Verständnis für die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge weltweit geweckt zu haben und bitten um Solidarität, ob Ukraine, Syrien oder Afghanistan, es sind Menschen.
Johannes Herbst

Sonntag, 08.09.2019 - Der Ausklang des Museumsfestes

Am Sonntag wurde um 10 Uhr Gottesdienst gefeiert in der Kiether Kirche in Linstow, ein „Heimatgottesdienst“ - wie er von den Linstowern traditionell genannt wird. Begleitet vom Männerchor aus Laage, haben Oliver Behre, Pfarrer in der Kirche in Mitteldeutschland, und Anja Fischer, Flüchtlingspastorin im Kirchenkreis Mecklenburg, den Gottesdienst gemeinsam gehalten. Der Wochenspruch aus dem 42. Kapitel des Propheten Jesaja stand im Zentrum der Predigt, in der ein weiter Bogen geschlagen wurde von den verbannten Israeliten an den Flüssen Babylons im 6. Jahrhundert vor Christus über die verbannten und geflohenen Deutschen aus Wolhynien in Sibirien, in Ostpreußen, im Warthegau und schließlich in Mecklenburg im Ersten und im Zweiten Weltkrieg bis hin zu den heutigen Flüchtlingen, die sich mitten unter uns in den Gemeinschaftsunterkünften in Mecklenburg-Vorpommern befinden. Die Gefühle der Geflüchteten, die Angst, die Verzweiflung, die Sehnsucht, aber auch die Hoffnung, sind – über Jahrtausende, über Länder und Kontinente hinweg – die gleichen geblieben. Diesen Menschen gilt der Zuspruch des Propheten: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen - und uns Einheimischen ist er zugleich ein Auftrag: Nicht richten, sondern aufrichten, nicht auslöschen, sondern Licht und Hoffnung schenken, das können wir hier und heute in unseren Dörfern, in unserem Alltag, auch tun!
Nach dem Gottesdienst hielt unsere Justizministerin Katy Hoffmeister die Rede zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Selbst Tochter eines im Memelland geborenen Vaters, erzählte sie von dem alten Mühlstein, der als einziges Überbleibsel der Vergangenheit in dem litauischen Ort noch heute von einer langen gemeinsamen Geschichte erzählt und auch weiterhin so zum Frieden mahnt. Gedenken und Gebet begleiteten die anschließende Kranzniederlegung. Nach dem Reisesegen konnten wir beim gemeinsamen Mittagessen, begleitet von den sehnsuchtsvollen und bewegenden Akkordeonklängen der beiden russischen Musikerinnen, noch einmal unsere neue Wolhynienhymne singen, die von Hilde Jöllenbeck aus dem Ukrainischen für uns übersetzt, von der Schönheit und der Gastfreundschaft des Landes und seiner Menschen erzählt.
Pastorin Anja Fischer

nach oben