Das Jubiläumsmuseumsfest in Linstow –
das 25. Museumsfest 2017

Vom 1. bis 3.9.2017 fand in Linstow im Landkreis Rostock das 25. Museumsfest des wolhynischen Heimatvereins Linstow statt. Anläßlich dieses Festes war der geschäftsführende Bundesvorstand der Landsmannschaft Weichsel-Warthe bereits am 31.8.2017 angereist und hatte am folgenden Tag bereits Gespräche und Beratungen geführt.

Die Eröffnung des neu gestalteten Museums

Am Freitagabend (1.9.2017) eröffnete der Leiter des Museums, Johannes Herbst, um 18 Uhr die Veranstaltung und begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Er stellte u. a. die Vertreter der LWW, Dr. Martin Sprungala, Dr. Ursula Mechler und Dr. Lothar Jakobi als auch den Heimatkreisausschußvorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien Walter Manz vor. Ebenfalls aus dem LWW-Bereich waren Pastor Oliver Behre, stv. Vorsitzender des Hilfskomitees der ev.-luth. Deutschen, und Jens Ryl, Schatzmeister der Stiftung Kulturwerk Wartheland, zudem stv. Vorsitzender des Vereins Bugolendry e.V. anwesend. Ebenfalls gut vertreten war der Historische Verein Wolhynien u. a. durch die Vorstandsmitarbeiter Mechthild Walsdorf und Manfred Klatt.
Traditionell sangen die Mitglieder des Heimatvereins Linstow zur Eröffnung das Wolhynier-Lied.
Das Museum ist in den letzten Monaten dank höherer Zuwendungen vom BKM umstrukturiert worden. Die konsequente Neugestaltung war immer das Ziel des Vereins. Angesichts der Kürze der Zeit war es schwierig und zeitraubend für den Wissenschaftler, die Gestalter und die Handwerker und die ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder, diese Arbeit zu bewerkstelligen.
Für die Neugestaltung hat J. Herbst den renommierten, freiberuflichen Schweriner Museumsberater Dr. Wolf Karge gewinnen können. Dr. Karge hat Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Archivwesens in Potsdam studiert. Von 1978 bis 1991 war er am Kulturhistorischen Museum Rostock in tätig (zuletzt als Direktor). Seither arbeitete er als freier Publizist, Geschäftsführer im Technischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin/Wismar, war von 1990 bis 2008 Vorsitzender des Museumsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern. Zudem führte er Lehraufträge an den Universitäten Rostock und Lüneburg aus.
Dr. Karge stellte seine Arbeit am Museum Linstow vor und bekundete auch seine Angst vor den Reaktionen des Publikums, da er die Räumlichkeiten erheblich umorganisiert hat. Aber angesichts der Kürze der Zeit war nur eine konsequente Neukonzeption möglich.
Das zweite Grußwort des heutigen Tages hielt der Referent für Beratung und Information der Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement in Mecklenburg-Vorpommern Franz-Martin Schäfer. Er betonte den Wert des Linstower Museums und war über die gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand begeistert und kündigte auch künftige weitere gemeinsame Projekte und Förderungen des Museums an.
Ingrid Wagner trug eine imaginäre Rede des Jubiläumshauses vor, wie es seine Wandlung vom Wohnhaus zum Museum miterlebt hat. Autorin war die aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesende Nachkommin der ersten Bewohner der Familie Altmann.
Im Anschluß an die Grußworte folgte die feierlich Eröffnung des neuen Museums durch J. Herbst, Dr. Karge und den Bürgermeister W. Baldermann. Dr. Karge führte persönlich durch die neu gestalteten Räume und erläuterte seine Ideen.
Seine Befürchtungen vor der Kritik der Besucher waren unberechtigt. Zwar hat das Haus von 1947, dessen 70. Geburtstag man zugleich feierte, vom musealen Wohnhaus zu einem Museum gewandelt und damit einiges an seiner Authentizität verloren. Aber der Gewinn war eindeutig, denn erst jetzt ist es ein Museum und nicht mehr eine in vielen Bereichen überladene Heimatstube, in die man alle erhaltenen Exponate hineingepackt hat. Es war verständlich, warum das Schlafzimmer der Großmutter total umgewandelt werden mußte, denn das Strohbett hier, so beeindruckend bedrückend seine Urausstattung auch war, so erdrückte es doch den Raum und machte seine Passage schwierig.
Ebenso bedarf es einer Neugestaltung des schulischen Ensembles im oberen Stockwerk, das angesichts der steilen Treppe für unbegleitete Besucher nicht geeignet ist.
Dr. Sprungala tauschte sich noch mit dem Neugestalter aus und gratulierte ihm zu der gelungenen Umgestaltung.
An diesem Abend trafen sich auch noch die LWW-Teilnehmer u. a. Mitreisende mit den angereisten Ukrainern zu einem geselligen Beisammensein.

Das 25. Museumsfest (2.9.2017)

War es am Vormittag noch warm und sonnig, so beeinträchtigte in diesem Jahr der mehrere Stunden anhaltende Regen die Feierstunde zum 25. Museumsfest.
Um 14 Uhr eröffnete der Vorsitzende Johannes Herbst das diesjährige Museumsfest und begrüßte die von nah und fern angereisten Ehrengäste. Zum ersten Mal war Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, anwesend. Sein Mitarbeiter, Heinrich-Christian Kuhn, der ihn in den vergangenen Jahren vertreten hatte, war am Abend zuvor anwesend gewesen. Zugegen war auch ehemalige Tiermediziner und Bundesvorstandsmitglied der Partei „Die Linke“, Prof. Dr. Wolfgang Methling, der sich in seiner Funktion als Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt hatte. Ebenfalls begrüßte Herr Herbst den Landtagsabgeordneten Torsten Renz, die BdV-Landesvorsitzende Maika Friemann-Jennert, den Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg, den Landrat des Landkreises Rostock Sebastian Constien. Von der LWW begrüßte der Museumsleiter Dr. Sprungala, Dr. Mechler, Dr. Jakobi, vom Hilfskomitee O. Behre und vom Historischen Verein Wolhynien W. Manz und vom Verein Bugolendry dessen Vorsitzenden Eduard Bütow. Aus der Ukraine waren Dr. Ala Chernij und Tanya Kukharets aus Rowno (ukr. Rivne, pl. Równe), Lena Gribok und Olga Tybor aus Luzk (ukr. Lutsk, pl. Luck) und Svitlana Voloshyna aus Czernowitz (ukr. Tscherniwzi, pl. Czerniowce, früher Hauptstadt der Bukowina) angereist.
In einem Vortrag gaben Frau Horn und zwei weitere Vereinsmitglieder einen Überblick über die Geschichte des Museums, ehe dann die Grußworte der Ehrengäste folgten.
Den Auftakt machte der Ortsbürgermeister Wilfried Baldermann, der an den festlichen Rahmen des heutigen Tages erinnerte, denn das Museumsgebäude sei nun 70 Jahre alt. Er ließ die Geschichte des Museums Revue passieren und betonte dessen Bedeutung als Bildungsstätte.
Der Güstrower Landrat aus dem erst 2011 geschaffenen Rostocker Landkreis, Sebastian Constien, sprach von der packenden und eindringlichen Geschichte der Wolhyniendeutschen, die zeige, was Flucht, Vertreibung und dann Integration bedeuten. Ihre Geschichte durften sie erst nach 1990 erzählen und er lobt die aktuelle Förderung und Umgestaltung des Museums mit 40.000 €.
Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, hob die große Bedeutung des Linstower Museums hervor, das sie aus diesem Grunde bereits sehr lange unterstützen.
Anschließend überbrachte Walter Manz die besten Grüße des Historischen Vereins Wolhynien und des Freundeskreises Moczulky/ Matschulek und stellte anschließend die Damen aus der Ukraine vor, die als Gastgeschenk das symbolische „Brot und Salz“ mitgebracht hatten.
Frau Dr. Ala Chernij überbrachte die Grüße der Abgeordneten der Bezirksverwaltung in Rivne.
In seinem Grußwort sprach der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg über den Frieden in Europa und wie sehr dieses Wort in Bezug auf die Ukraine zu hinterfragen ist. Er erwähnte auch die Sorgen der EU-Nachbarn im Baltikum und in Polen. Auch aus diesem Grunde ist das Museum in Linstow als Bildungseinrichtung wichtig und er sagte auch seitens des Bundes dem Museum weitere Unterstützung zu.
Das Grußwort der verhinderten mecklenburg-vorpommerschen Justizministerin Hoffmeister faßte der Landtagsabgeordnete Torsten Renz inhaltlich zusammen. Erneut bekundete er seine eigene wolhyniendeutsche Beziehung.
Prof. Dr. Wolfgang Methling wies auf die Bedeutung des Festhaltens der Erinnerungen und Erfahrungen hin. So hat er selbst nach seiner Pensionierung seiner bessarabischen Herkunft gewidmet und meinte, seine Mutter könne über ihre Erfahrungen ein Buch schreiben, was sie aber nicht kann. Er riet daher dazu, die Erinnerungen aufzuzeichnen. Der Bundessprecher wies in seiner folgenden Ansprache darauf hin, daß diese Form der Erinnerungskultur und Geschichtsbewältigung das tägliche Brot der LWW seit ihrer Gründung im Jahr 1949 sei.
Dr. Martin Sprungala bekundete, nicht über diese Themen reden zu wollen, da sie „unser Alltagsgeschäft“ sind. Statt dessen würdigte er die wichtige Arbeit des Museums, das sie LWW seit seiner Gründung und er selbst seit 2009 begleitet. Zahlreiche Begegnungen fanden statt und gemeinsame Projekte wie die Neugestaltung der Wanderausstellung um 2010 oder die Einweihung des Gedenksteins im Jahr 2015 wären hier zu nennen. Der Bundesvorstand der LWW hat deshalb bei seiner Bundeskulturtagung im Juni dem Museum, vertreten durch J. Herbst und all seine ehrenamtlichen Mitarbeiter, mit dem Kulturpreis der LWW ausgezeichnet.
Es folgten musikalische Beiträge und auch dieses Jahr wurde ein Dreschwettbewerb mit alten Dreschflegeln veranstaltet. Zum Abschluß fand eine Tombola statt, in der man die Präsente örtlicher Unternehmen gewinnen konnte.

Der wolhynische Heimatgottesdienst mit Kranzniederlegung

Am Sonntag (3.9.2017) fand der traditionelle Heimatgottesdienst in der evangelischen Kirche in Kieth statt, der durch den Männergesangverein Laage und den Posaunenchor Krakow am See begleitet wurde. Den Gottesdienst gestaltete Pastor Oliver Behre.
Anschließend trafen sich die Teilnehmer auf dem Museumsgelände, wo J. Herbst zwei weitere anwesende Ehrengäste vorstellte: den Europaabgeordneten Werner Kuhn und die Integrationsbeauftragte des Ministeriums für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dagmar Kaselitz.
Um 12 Uhr erfolgte nach dem Gedenken durch Pastor Behre die Niederlegung des Kranzes am Wolhyniendeutschen Gedenkstein durch den Abgeordneten Kuhn und Lena Gribok aus Luzk.
Den Abschluß des Museumsfestes bildete auch in diesem Jahr ein letztes gemeinsames Mahl, ehe sich alle auf den Heimweg begaben.

Dr. Martin Sprungala

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