Das 20. Museumsfest des Wolhynischen Umsiedlermuseums in Linstowam am Samstag, dem 1. September 2012

Das mecklenburgische Linstow galt seit 1945 in der Region als „Klein-Rußland“, weil hier im Rahmen der Bodenreform 73 Flüchtlingsfamilien aus Wolhynien angesiedelt wurden, die ihre Häuser nach alter wolhynischer Tradition erbauten. Jede Familie erhielt damals zehn Hektar Land zur eigenen Bewirtschaftung. Die Eigenständigkeit endete etappenweise mit der anfänglichen Enteignung, mit der Kollektivierung durch die LPG im Jahr 1960 und der endgültigen Enteignung im Jahr 1974 mit der Errichtung eines großen landwirtschaftlichen Kombinats, der nicht nur nach und nach alle umliegenden LPGs (landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) verschlang. Die Folge war, daß es für junge Menschen keine Arbeitsplätze mehr gab und vFreitag Abendiele abwanderten. Bei der Wende 1989 waren viele Häuser in Linstow bereits dem Verfall preisgegeben. Der erste Bürgermeister nach der Wende Johannes Herbst, der selber nicht aus der Region stammte und auch nicht aus Wolhynien erkannte die Besonderheit dieses Ortes und nahm sich ihrer an. Das 1947 gebaute Haus der Familie Altmann sollte erhalten bleiben und seit 1990 bemühte sich ein zu diesem Zwecke gegründeter Heimatverein Linstow e.V. um die Restaurierung und Umwandlung in ein Museum. Am 6.8.1993 war es dann soweit. Das Wolhynische Umsiedlermuseum wurde feierlich mit einem (ersten) Museumsfest eröffnet. Alle Mitstreiter der ersten Stunde bFreitag Abendekundeten, daß sie nie gedacht hätten, daß dieses Projekt einmal 20 Jahre überdauern und so gut erweitert werden könnte.
Eine großartige Eröffnungsveranstaltung
Das Wolhynische Umsiedlermuseum lud zum 20. Museumsfest nach Linstow ein und der Besucherstrom war überwältigend. Aus der gesamten Republik, sogar vom Bodensee, und Schweden her reisten die Gäste an.
Bereits am Freitagabend um 18:30 Uhr fand eine Eröffnungsveranstaltung in der Bildungsscheune statt. Der Raum war bis zum allerletzten Platz ausgefüllt. Bewegt dankte der Museumsleiter Johannes Herbst den Gästen für ihr Erscheinen und begrüßte die Ehrengäste, darunter Vertreter aus Politik und Kultur. U.a. konnte er den stellvertretenden Vorsitzenden der mecklenburg-vorpommerschen CDU-Landtagsfraktion und Mitglied des Güstrower Kreistags Torsten Renz und Jörn Mothes, Referatsleiter vom Bildungsministerium Mecklenburg/ Vorpommern begrüßen. Aus der Ukraine, aus Wolhynien, war eine Delegation unter der Leitung von Dr. Mychajlo Kostiuk, Kiew, angereist. Ebenfalls begrüßen konnte der Vorsitzende den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe Dr. Martin Sprungala, Dortmund, und die Kulturreferentin (BKM) Magdalena Oxfort, Münster.
Untermalt wurde die Veranstaltung durch die Gesangsgruppe „Regenbogen“ aus Güstrow, die inhaltsreiche moderne Lieder vortrug. Der Leiter der Gruppe hatte diese z. T. englischsprachigen Lieder von z. B. Michael Jackson und John Lennon ins Deutsche übersetzt.
Anschließend berichteten Mitglieder und Freunde des Museumsvereins über ihre Erinnerungen und Erfahrungen über die Aufbauarbeit. Johannes Herbst äußerte, es sei nicht alles reine Freude gewesen, was sein damaliger stellvertretender Bürgermeister, Jörg Borchardt, noch durch Ausführungen über Problemen in der Gemeindevertretung der 90er Jahre ergänzte. Viele Linstower hätten gerade in der WendFreitag Abendezeit, die von Arbeitslosigkeit und Zukunftssorgen geprägt war, nicht einsehen wollen und können, daß dieses Geld für die Erinnerungs- und Erlebniskultur gut angelegt war. Aber es war auch eine Zeit des Aufbruchs und der Möglichkeiten, wie aus den Worten der folgenden Redner herauszuhören war. Ernst Reimann, ein wolhynisches Urgesteine, gab unumwunden zu, daß er anfangs sehr skeptisch war, zumal da Nicht-Wolhynier tätig wurde. Rasch wurde er eines Besseren belehrt und zählt seither zu den Stützen der Arbeit im Museum. Weitere Erfahrungsberichte lieferten Ingrid Wagner und die seit 2002 als Kooperationspartner tätige Lehrerin Gabriele Strübing, die mit ihren Schulklassen regelmäßig Projekte mit dem Museum unternimmt.
Nach dem offiziellen Teil wurde ein Imbiß gereicht und die von Dr. Sprungala überarbeitete Wanderausstellung des Museum eröffnet. Natürlich war auch Zeit für viele Gespräche. Den Abschluß der sehr gelungenen Veranstaltung bildete eine erste musikalische Darbietung der drei Damen des Bandura-Ensembles und Chors „Leliya“.
Arbeitsgespräch der mit Wolhynien beschäftigen Vereine
Vor Beginn des eigentlichen Museumsfestes hatte Herr Herbst die anwesenden Vertreter der mit Wolhynien beschäftigten Freitag Abendund befreundeten Vereine zu einem Arbeitsgespräch eingeladen. Anwesend waren für das Museum Johannes Herbst, Ingrid Wagner und Eduard Bütow, für den Historischen Verein Wolhynien Walter Manz, für das Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen Pastor Oliver Behre, für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe Dr. Martin Sprungala und als Vertreter des Vereins der Bugholendry e. V. (siehe Informationsgespräch mit ihnen in WW 5/2012) ihr Vorsitzender Karl-Heinz Hüneburg, sein Stellvertreter Torsten Kuhle und der Schatzmeister Jens Ryl.
Herr Herbst berichtete, daß sie vor einigen Monaten einen wissenschaftlichen Beirat mit der Uni Rostock gegründet hätten. Es wurde vereinbart eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Dr. Sprungala wies darauf hin, daß es diese schon durch den „Heimatkreisausschuß Wolhynien“ in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe gebe. Alle waren damit einverstanden, in diesem Gremium mitzuwirken und werden sich diesbezüglich an Erhard Betker wenden. Weitere gemeinsame Treffen wurden als sinnvoll angesehen und vereinbart.
Das Museumsfest: Ansprachen und Darbietungen
Um 13 Uhr eröffnete Johannes Herbst das 20. Museumsfest mit seiner Ansprache und der anschließenden Totenehrung. Immer wieder erinnerte er gerade die anwesenden Vertreter der Politik daran, daß so eine vielschichtige und große Arbeit auf Dauer nicht mehr nur mit ehrenamtlichen Mitgliedern geleistet werden kann.
Es folgte das Grußwort des Bürgermeisters und Amtsvorstehers der Gemeinde Dobbin-Linstow Wilfried Baldermann, der die Arbeit der Wolhynier hier in Linstow lobte und bekundete, sich stets für das Museum einzusetzen. Der stellvertretende Landrat des Kreises Rostock, Dr. Rainer Boldt, überbrachte die Grüße des Landkreises und kündigte an, seinem ersten Besuch beim Museumsfest weitere folgen zu lassen, da ihm die hier geleistete Arbeit sehr zusage.
Anschließend sprach der Europaabgeordnete der Region, Werner Kuhn. Er bekundete selber zu den Nachkommen der Vertriebenen zu gehören und lobte die Arbeit des Museums, das helfe, eine neue Heimat zu stiften und forderte zur Fortsetzung der Arbeit auf, die ganz im Sinne eines geeinten Europas ist. Freitag Abend
In seinem Grußwort unterschied der Bundestagsabgeordnete dieser Region, Eckhardt Rehberg, zwischen Heimat und Zuhause. Auch er gehöre den Nachkommen von Vertriebenen an. Der Vater stammte aus Ostpreußen, die Mutter aus dem Sudetenland, doch keiner von ihnen hätte ein derart wechselvolles und hartes Schicksal erlitten wie die Wolhyniendeutschen.
Auch die Kulturreferentin (BKM) Oxfort bat J. Herbst um ein Grußwort, ehe dann die ukrainischen Gäste zu Wort kamen. Dr. Mychajlo Kostiuk bekundete stellvertretend für alle aus der Ukraine angereisten, daß er sich hier wie zuhause fühle, es sei ein Stück Heimat in der Fremde und er begrüßte seine wolhynischen Landsleute ganz herzlich. Auch Lena Gribok, die Mitarbeiterin der evangelischen Kirche in Luzk, nutzte die Gelegenheit sich persönlich für die herzliche Aufnahme zu bedanken.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit mußte J. Herbst die Runde der Grußworte abbrechen, obwohl noch mehrere vorgesehen waren und bat abschließend den aus Wiesentheid angereisten, gesundheitlich stark angeschlagenen Ehrenvorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien Nikolaus Arndt um sein Grußwort, das er engagiert mit viel Lob für die geleistete Arbeit vortrug. Anschließend übergab er J. Herbst mehrere Exponate für das Museum.
Im Anschluß an das Kaffeetrinken folgte eine Aufführung der Geschichte der Wolhyniendeutschen. Dargestellt wurden einige wesentlichen Etappen der Besiedlung Wolhyniens, beginnend mit der Ansiedlung deutscher Bauern, über die Verbannung im 1. Weltkrieg, demFreitag Abend Frieden von Riga (1921) mit seinen Folgen, der Stalin-Hitler Pakt (1939) mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, der Umsiedlung (1939/40), Flucht und Vertreibung (nach 1945), die Bodenreform, die Entwicklung in der DDR bis zur vollständigen Enteignung (1974) und der Wende (1989). Die sehr realistisch mit Pistolenschüssen, Pferden und Wagen dargestellte Szenerie bewegte vor allem viele, die diese dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts selbst miterlebt hatten, zu Tränen und waren für die Nachgeborenen sehr anschaulich.
Auch die Ukrainerinnen gaben ein weiteres Konzert bestehend aus ukrainischen und deutschen Liedern. Zu erwähnen sei noch, daß neben der Presse auch ein Filmteam aus Berlin anwesend war, das einen senderunabhängigen Film produziert, der dann allen zur Verfügung gestellt wird. Über das Museumsfest soll eine Reportage entstehen.
Am Abend dieses ereignisreichen Tages dankte J. Herbst und bat Ministerialrat Ulrich Hojczyk aus dem Mecklenburg-Vorpommerschen Justizministerium um einige Worte. Aus seinem Etat hatte er dem Museum einen Scheck in Höhe von 5.000 € mitgebracht. Er bekundete die Bedeutung dieser Einrichtung, denn 37 % der Landesbewohner haben einen sog. Vertriebenenhintergrund.
Abschließend bat Herr Herbst auch noch den Bundessprecher um sein Grußwort und entschuldigte, daß er die Grußworte nachmittags hatte abbrechen müssen. Dr. Sprungala betonte, daß die gelobte „nicht chauvinistische Haltung“ der Wolhyniendeutschen typisch für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) sei. Sie hätte 1950 die Charta der Deutschen Heimatvertriebenen mit getragen und seither stets den europäischen Gedanken hoch gehalten. Der Sprecher betonte, daß bereits 1961, noch vor dem Mauerbau, sich die LWW den Leitspruch „Brücke der Verständigung“ gegeben hätte.
Anschließend führte Dr. Sprungala noch ein Gespräch mit Ministerialrat Hojczyk.Freitag Abend
Mitarbeiterin der evangelischen Kirche in Luzk, nutzte die Gelegenheit sich persönlich für die herzliche Aufnahme zu bedanken.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit mußte J. Herbst die Runde der Grußworte abbrechen, obwohl noch mehrere vorgesehen waren und bat abschließend den aus Wiesentheid angereisten, gesundheitlich stark angeschlagenen Ehrenvorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien Nikolaus Arndt um sein Grußwort, das er engagiert mit viel Lob für die geleistete Arbeit vortrug. Anschließend übergab er J. Herbst mehrere Exponate für das Museum.
Im Anschluß an das Kaffeetrinken folgte eine Aufführung der Geschichte der Wolhyniendeutschen. Dargestellt wurden einige wesentlichen Etappen der Besiedlung Wolhyniens, beginnend mit der Ansiedlung deutscher Bauern, über die Verbannung im 1. Weltkrieg, dem Frieden von Riga (1921) mit seinen Folgen, der Stalin-Hitler Pakt (1939) mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, der Umsiedlung (1939/40), Flucht und Vertreibung (nach 1945), die Bodenreform, die Entwicklung in der DDR bis zur vollständigen Enteignung (1974) und der Wende (1989). Die sehr realistisch mit Pistolenschüssen, Pferden und Wagen dargestellte Szenerie bewegte vor allem viele, die diese dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts selbst miterlebt hatten, zu TräFreitag Abendnen und waren für die Nachgeborenen sehr anschaulich.
Auch die Ukrainerinnen gaben ein weiteres Konzert bestehend aus ukrainischen und deutschen Liedern. Zu erwähnen sei noch, daß neben der Presse auch ein Filmteam aus Berlin anwesend war, das einen senderunabhängigen Film produziert, der dann allen zur Verfügung gestellt wird. Über das Museumsfest soll eine Reportage entstehen.
Am Abend dieses ereignisreichen Tages dankte J. Herbst und bat Ministerialrat Ulrich Hojczyk aus dem Mecklenburg-Vorpommerschen Justizministerium um einige Worte. Aus seinem Etat hatte er dem Museum einen Scheck in Höhe von 5.000 € mitgebracht. Er bekundete die Bedeutung dieser Einrichtung, denn 37 % der Landesbewohner haben einen sog. Vertriebenenhintergrund.
Abschließend bat Herr Herbst auch noch den Bundessprecher um sein Grußwort und entschuldigte, daß er die Grußworte nachmittags hatte abbrechen müssen. Dr. Sprungala betonte, daß die gelobte „nicht chauvinistische Haltung“ der Wolhyniendeutschen typisch für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) sei. Sie hätte 1950 die Charta der Deutschen Heimatvertriebenen mit getragen und seither stets den europäischen Gedanken hoch gehalten. Der Sprecher betonte, daß bereits 1961, noch vor dem Mauerbau, sich die LWW den Leitspruch „Brücke der Verständigung“ gegeben hätte.
Anschließend führte Dr. Sprungala noch ein Gespräch mit Ministerialrat Hojczyk.

Am Sonntag, dem 2.9.2012, wurde in der Kirche zu Kieth der Heimatgottesdienst gefeiert. Der örtliche Pastor, Christoph Reeps, und Oliver Behre, Zwochau, Obmann für die Wolhyniendeutschen im Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen in Polen zelebrierten die Messe, die von Gesangsdarbietungen des Männerchors Laage und der ukrainischen Bandura-Band Leliya untermalt wurde.
Mit einem gemeinsamen Essen aus der Gulaschkanone endete das 20. Linstower Museumsfest.

Dr. Martin Sprungala

nach oben