Wolhynier in Wiesentheid (Franken)

Eine Abordnung von vier Mitgliedern des wolhynischen Heimatvereins Linstow unternahm kurz vor Weihnachten eine Fahrt nach Wiesentheid zu Nikolaus Arndt, der dort mit seiner Familie wohnt und jetzt seinen 83. Geburtstag feiern konnte.
Geboren wurde er in Wolhynien, im Westen der heutigen Ukraine, von wo er 1940 die Umsiedlung nach dem Warthegau miterlebte. 1945 musste die Familie auch die neu gewonnene Heimat im Warthegau verlassen. Die Flucht nach Deutschland endete für ihn und seine Familie in Franken.
Aus seiner Erfahrung und seinem Wissen heraus steht er seit den 90er Jahren dem Linstower Heimatverein beim Aufbau des Umsiedlermuseums mit Rat und Tat zur Seite. Es galt nun ihm Dank zu sagen für seinen unermüdlichen Einsatz zur Aufarbeitung der wolhynisch-deutschen Geschichte und für seine Tätigkeit im historischen Verein, der 1976 in Wiesentheid gegründet und dessen erster Vorsitzender er wurde. Die Linstower Besucher wurden bei ihrer Ankunft mit typischer wolhynischer Gastfreundschaft begrüßt. Seine Schwester Tatjana Stebner hatte ein fränkisches Mittagessen bereitet, dazu gab es Frankenwein.
Nikolaus Arndts Arbeitszimmer ist voll von Büchern, Ordnern, Fotoalben und Dokumenten über Wolhynien, aus denen sowohl die Geschichte der Wolhynier – Flucht und Vertreibung – als auch seine persönliche Lebensgeschichte mit ihren wichtigsten Stationen deutlich wird.
Die Besucher waren beeindruckt von der liebevollen Art, in der Herr Arndt an die Vergangenheit zurück dachte. So war das Miteinander der Ukrainer, Juden, Russen, Polen, Tschechen und Deutschen durchaus friedlich gewesen und unser Gastgeber wurde nicht müde, den Frieden als hohes Gut hervorzuheben. Sehr nachdenklich wurde er bei der Schilderung angesichts all der Wunden, die der Krieg geschlagen hat, doch bei diesen tragischen Erfahrungen wollte er nicht weiter verweilen.
Die Zeit des Besuches in seinem Archiv und Büro war viel zu kurz, um all die weisen Erkenntnisse aus seinen umfangreichen exakt aufgezeichneten Forschungsergebnissen gedanklich zu verarbeiten.
Als Beispiel nehmen wir einen seiner besonderen konstruktiven Sätze mit nach Linstow, um ihn mit unseren Kindern zu beherzigen: „Die Weltsprache Englisch zu erlernen ist schön und gut, aber das Erlernen der Sprache unserer Nachbarn ist genauso wichtig.“ Solche Erwägungen tragen bei zur Versöhnungsarbeit, bei der es um Zuwendung und gegenseitige Wertschätzung geht. Den Fehlentwicklungen des 20. Jahrhunderts indessen sei ein nachdrückliches „Nie wieder!“ gewidmet. Die guten Vorsätze sollten uns heilig sein.
2012 feiert der Linstower Heimatverein sein 20jähriges Bestehen, dazu ergeht eine herzliche Einladung der Familie Arndt und Stebner.
Zum Abschied wurde als Dankeschön ein frisch verfasstes Liedchen gesungen. Für alle Liebe und Mühe gilt dem Jubilar und seiner Familie ein herzliches Dankeschön.

Ingrid Wagner, U. Kasper
Heimatverein Linstow e. V.