Reisebericht über die Bildungsreise nach Wolhynien vom 15.07. - 24.07.2011

Die Bildungsreise wurde organisiert vom Heimatverein Linstow e. V. unter der Leitung von Oliver Behre, Christiane Lengnink und Johannes Herbst.
Am 15.07.2011 startete die Reisegruppe mit einem Bus des Reisebüros „Polen-Reise“ Berlin in Linstow. Reiseleiterin ab Krakau war Barbara, einigen bereits bekannt als Stadtführerin von Krakau.
Nachdem in Berlin am Flughafen Teilnehmer dazu stiegen, war die Reisegruppe vollständig und die Fahrt konnte Richtung Polen beginnen. Im Reisebus stellten sich die Teilnehmer vor und einige berichteten, welche Heimatkolonien sie in der Ukraine aufsuchen werden. Die Reisegruppe bestand aus 35 Teilnehmern, die älteste Teilnehmerin war 83 Jahre und die jüngste 9 Monate alt bzw. jung.

Ukrainefahrt 2011 Gegen Abend erreichten wir Krakau, die schöne Stadt, die einigen von der Bildungsfahrt 2010 bekannt war. Wie im Jahr 2010 übernachteten wir in der Pension „Patria“ Wer Lust hatte, konnte nach dem Abendbrot in Begleitung von Barbara durch das nächtliche Krakau bummeln.
Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück weiter Richtung Ukraine. An der ukrainischen Grenze mussten wir drei Stunden warten, hatten dabei aber Glück, denn neben uns standen Lastkraftwagen an Lastkraftwagen kilometerweit auf der Spur.
Einige nutzten die Zeit an der Grenze, um im Kontor Geld umzutauschen.
Vom Reisebus aus konnten wir ärmliche Häuser, aber auch neue prächtige Häuser sehen. Ein fast einstündiger unerfreulicher Aufenthalt in der Stadt Lwow (ehemals Lemberg) führte dazu, dass wir erst gegen 24.00 Uhr in Luzk ankamen. Die Mitarbeiter des Hotels „Ukraina“ und unsere dortige Reiseleiterin Swetlana erwarteten uns und empfingen uns mit einem großen Abendbrot. Der vorgesehene abendliche Bummel durch Luzk musste entfallen, denn alle Teilnehmer bezogen ihre Zimmer und wollten nur schlafen.
Ukrainefahrt 2011 Am nächsten Tag nahmen wir am evangelischen Gottesdienst in der deutschen lutherischen Kirchengemeinde Luzk teil mit anschließendem Mittagessen.
Am Nachmittag führte uns Swetlana mit einer Stadtführerin durch die Altstadt von Luzk. Am Abend gab es ein Abendessen im Restaurant „Sadyba na Dzherelach“. Dieses Restaurant war typisch ukrainisch eingerichtet und es gab ukrainische Spezialitäten, die sehr gut schmeckten. Anschließend konnten wir die gesamte Anlage besichtigen, die sich in einem kleinen Wäldchen befand. Dort hielten wir uns noch einige Zeit auf, sangen und unterhielten uns mit unseren ukrainischen Freunden.

Am 18.07.2011 brach die erste Gruppe von unseren Teilnehmern in ihre ehemaligen Heimatkolonien auf. Am Abend berichteten sie über ihre Kontakte, die sie vor Ort geknüpft hatten und über ihre Erlebnisse in den ehemaligen Kolonien. Einige konnten mit Zeitzeugen sprechen und fanden alte Häuser oder Kirchen vor. Der Besuch der Orte, in denen ihre Vorfahren einst gelebt haben, war für die Teilnehmer ein großes Erlebnis. Ihre Freude darüber, dass sie die Heimat ihrer Vorfahren besuchen konnten, war für uns berührend.
Ukrainefahrt 2011 Am Abend trafen wir uns vor der evangelischen Kirche mit Dr. Kostiuk, Sascha und Mitgliedern der evangelischen Kirche, um mit Musik und Tanz diesen schönen warmen Sommerabend ausklingen zu lassen.

Am 19.07.2011 vormittags war Freizeit angesagt und einige bummelten über den Luzker Markt. Hier konnte man fast alles kaufen Obst, Fleisch, Fisch, Textilien, Souvenirs usw., eben ein so genannter Wochenmarkt.
Am Nachmittag besuchten wir das ca. 20 km von Luzk entfernte Freilichtmuseum zur ukrainischen Landeskunde. Der Leiter des Museums empfing uns trotz der großen Hitze mit dicker Pelzmütze auf dem Kopf und in Kosakenuniform und führte uns durch das Museum. Auch das zugehörige Außengelände, ein typischer alter ukrainischer Bauernhof mit Nebengebäuden, wurde uns gezeigt. Sogar eine kleine Kirche und eine Schmiede gehörten dazu. Nach der Führung suchten wir uns ein schattiges Plätzchen auf dem Gelände und wurden von den Museumsmitarbeiterinnen mit ukrainischen Speisen und Getränken versorgt. Für Unterhaltung sorgte eine ukrainische Folkloregruppe mit schönen Gesängen. Als Dankeschön sangen wir ebenfalls, nämlich unser Wolhynierlied und andere deutsche Lieder.

Am 20.07.2011 besuchte die zweite Gruppe die ehemaligen Heimatkolonien. Die anderen Teilnehmer fuhren nach Rositsche in ein Kinderheim für behinderte Kinder. Dort wurde der Spielplatz des Heimes verschönert, indem die Spielgeräte einen neuen Anstrich bekamen. Als Dankeschön gab es Kaffee und Kuchen von den Mitarbeiterinnen des Heimes. Ursprünglich war die Pflege eines Soldatenfriedhofes vorgesehen, die leider an der Bürokratie in Deutschland scheiterte.
Am Nachmittag wurde die Lubard-Burg in Luzk besichtigt, die ursprünglich von Kreuzrittern errichtet wurde.
Am Abend konnten die Teilnehmer von ihren Erlebnissen in den Kolonien berichten. Dies geschah in dem Restaurant „Drei Kronen“, in dem uns auch typisch ukrainische Spezialitäten angeboten wurden.
Am 21.07.2011 ging es etwas weiter weg nach Ostrog. Unterwegs machten wir Halt an einem Soldatenfriedhof, auf dem deutsche Soldaten bestattet waren. Auf der Gedenktafel waren die Namen mit Geburtstag und Todestag eingemeißelt und wir stellten fest, dass es sich bei den Soldaten um sehr junge Menschen gehandelt hat, die ihr Leben lassen mussten. Wir wurden hier an ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte erinnert.Ukrainefahrt 2011
Weiter ging es nach Ostroc mit Führung durch die Altstadt und die Ostrozhi-Burg mit Museum. Unser letzter Tag in der Ukraine wurde in Rivne mit einem Folkloreabend gefeiert, der uns allen viel Spaß gemacht hat. Das Essen war wieder reichlich und vorzüglich. Gemeinsam mit Musik und Tanz klang dieser schöne Abend aus. Wer wollte konnte dort auch ukrainische Souvenirs kaufen.

Am 22.07.2011 verabschiedeten wir uns von unserer Reiseführerin Swetlana, den Mitarbeiterinnen des Hotels und von Dr. Kostiuk und Sascha und machten uns auf die Rückreise in Richtung Lodz.
Dank Barbara erfolgte der Grenzübertritt problemlos, trotzdem mussten wir drei Stunden warten.
Gegen 23.00 Uhr erreichten wir das Hotel in Lodz und begaben uns auf unsere Zimmer.
Am 23.07.2011 wurde Lodz, auch Manchester des Ostens genannt, besichtigt. Lodz, eine Metropole im ehemaligen Warthegau, ist durch den industriellen Aufschwung um 1830 auf Grund deutscher Weber und anderer Handwerker aus dem sächsischen Raum gewachsen. Noch heute kann man die Fabrikgebäude der ehemaligen Webereien und Spinnereien besichtigen. Sie werden heute als Kulturzentrum, Hotels, Einkaufszentrum und Sporthallen genutzt. Am Nachmittag nahm unsere Reisegruppe die Einladung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Pabjarniza an.
Ukrainefahrt 2011 Am letzten Abend trafen wir uns alle in einem polnischen Restaurant in Lodz. Dieser Abend war etwas verhalten, denn wir waren alle etwas müde von den ganzen Eindrücken der letzten Tage. Danach spazierten wir durch das nächtliche Lodz zu unserem Hotel. Am 24.07.2011 fuhren wir zurück nach Deutschland. Wir verabschiedeten uns von Barbara, sie blieb in Lodz. In Berlin stieg ein Teil der Gruppe aus und die restlichen Teilnehmer fuhren nach Linstow.
Beim Abschied haben wir versprochen, uns wieder zu sehen. Vielleicht bei der nächsten Fahrt oder zum Museumsfest.
Die Bildungsfahrt wurde finanziell unterstützt von dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aus dem Etat der Kulturreferentin für Wolhynien Magdalena Oxfort M.A.

Christiane Lengnink
Heimatverein Linstow e. V.